Wärmepumpe im Altbau: was wirklich funktioniert
Wärmepumpen sind kein Neubau-Privileg — auch der Altbau kann effizient beheizt werden. Es kommt auf drei Punkte an, die man vor der Entscheidung klären sollte.
Faktor 1: Vorlauftemperatur
Je höher die Vorlauftemperatur, desto weniger effizient die WP. Der große Unterschied zum Neubau:
- Fußbodenheizung: 32 – 40 °C — ideal für WP, JAZ > 4,0
- Große Radiatoren (Alt-Guss): 45 – 55 °C — machbar, JAZ 3,2 – 3,8
- Kleine Plattenheizkörper (70er-Jahre): 60 – 70 °C — knapp, JAZ 2,5 – 3,0 → Heizkörpertausch prüfen
Faktor 2: Dämmzustand
Nicht die Frage „ist gedämmt oder nicht", sondern: wie hoch ist die spezifische Heizlast in kWh/m²a?
- < 100 kWh/m²a (KfW 55 saniert): WP läuft ideal, keine Anpassungen nötig.
- 100 – 150 kWh/m²a (Teilsaniert, neue Fenster): WP passt, ggf. 1 – 2 Heizkörper vergrößern.
- 150 – 200 kWh/m²a (Unsaniert 60er/70er): WP funktioniert, aber JAZ nur 2,5 – 3,0. Hybrid überlegen.
- > 200 kWh/m²a (Ungedämmt): nur mit Hybrid oder erst nach Dämmung wirtschaftlich.
Faktor 3: Warmwasser-Konzept
Warmwasser braucht 55 – 60 °C — für die WP hart. Zwei Ansätze:
- Getrennter Warmwasserspeicher mit hoher WP-Vorlauftemperatur (60 °C) nur für Warmwasser: kurzer Betriebspunkt, in Summe verschmerzbar
- Ergänzende Warmwasser-WP: heizt nur den Trinkwarmwasserspeicher, Heizungs-WP arbeitet immer effizient bei niedriger Temperatur.
Praxis-Check vor dem Kauf
Ein guter Fachbetrieb macht vor der Angebotserstellung einen hydraulischen Abgleich und misst die tatsächliche Heizlast. Ein Angebot ohne diesen Schritt ist entweder zu klein dimensioniert (WP läuft dauernd) oder zu groß (taktet ständig und verschleißt schneller).
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